Pharaos neues Gesicht (Oktober 2000)
Von Miriam Oeing
Blaichach Ein Konzert, das frischen Wind in die alten Gemäuer der Blaichacher Pfarrkirche brachte, gab der "Walser Gospelchor" unter der Leitung von Michael Hanel. Mit Stücken wie "Lord, show me the way" oder "Put your hand in the hand" präsentiert der Walser Gospelchor ein breitgefächertes Repertoire. Eine dominante Rolle übernimmt bei diesem Konzert die Solistin Tanja Diebold, die bereits für ihren ersten Auftritt mit "Motherless child" begeisterten Applaus erntet. Hingebungsvoll und überzeugend trägt sie das Lied - ausschließlich von Klavier begleitet - vor. Weniger gospelartig mutet "Lead me Lord" an, ein langsames Stück, das wie Musik klingt, die man sonst in der Kirche zu hören bekommt. Für beschwingtere Töne und vor allem eine Demonstation der Sangesfreude des Chores sorgt da schon "Oh my lovin' brother". Mit vier Solisten wartet der Gospel-Klassiker "He's got the whole world" auf, die das Publikum förmlich von den Sitzen reißen und zum Mitklatschen animieren. Neben den Liedern des Gospelchores erläutert der Blaichacher Pfarrer Martin Bummele die Inhalte einiger Gospels und verweist auf dazu gehörige Bibelstellen. "Go down, Moses" beispielsweise handelt vom Auszug der Israeliten aus dem von einem unerbittlichen Pharao beherrschten Ägypten. Jener Pharao, so Bummele, trage in der heutigen Zeit etwa das Gesicht von Geld, Macht oder Krieg. Mit flehentlicher Stimme bringt Tanja Diebold dann zum Ausdruck, wofür Sätze wie "Oppressed so hard, they could not stand..." stehen. Einer der Höhepunkte des Abends gelang dem Chor mit dem besinnlichen Stück "When the stars begin to fall", das neben seiner Klavierbegleitung besonders durch den harmonischen Gesang der "Walser" hervorsticht. Im Großen und ganzen gab der Walser Gospelchor in Blaichach eine überzeugende Vorstellung, der jedoch etwas weniger Solo-Einlagen gut getan hätten. Denn Tanja Diebold ist zwar eine gute Solistin, stellt den Rest des Chores jedoch des Öfteren in den Schatten.