Vom Rhythmus beseelt (Oktober 2003)

Obermaiselstein. Weit verbreitet ist die Meinung, dass Gospels und ihre Ursprünge, die Spirituals, nur von den farbigen Ensembles Amerikas gut gesungen werden können. Den Europäern und gerade den Deutschen fehle es da an Gefühl für die Musik und lebendigen Rhythmus. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Ensemble, dem es bereits gelungen ist, mit diesem Vorurteil aufzuräumen, viele Freunde hat und eine beträchtliche Anzahl Zuhörer in seine Konzerte lockt. Jetzt waren es weit über hundert Musikbegeisterte, die sich in der Pfarrkirche Obermaiselstein einfanden, um den Walser Gospelchor zu erleben.

Den amerikanischen Bildern folgend, in weite Roben gehüllt, präsentierte sich der 30-köpfige Chor im Einklang mit der Gospelchor-Band ein sehr abwechslungsreiches Programm von 18, mehr oder weniger bekannten Spirituals und Gospels. Die teilweise vom Chorleiter Michael Hanel selbst für den Chor arrangierten Stücke variieren dabei von gefühlvoll ruhig, fröhlich rhythmisch bis nahezu rockig.

Die Sänger sowie Jürgen Klimek am Klavier, Urban Bromberger mit seinem Kontrabass und Ulrich Treutwein am Schlagzeug brachten Elemente des Soul, Blues und Jazz ebenso zum Klingen wie choralartige Sequenzen. Unterstützt von der schwarzen Stimme des Allgäus: Tanja Diebold begeisterte das Ensemble mit jedem Stück mehr und behauptete sich auch Widrigkeiten, wie ein meist gegen den Rhythmus mitklatschenden Publikum. Mit ihrer Facettenreichen, dunklen Stimme erinnert Tanja Diebold an Größen wie Ella Fitzgerald und fügt sich wunderbar ergänzend in den Klang des vierstimmigen Chores ein.

 Die Sänger des Walser Gospelchores zeigen sich stimmlich strahlend voller Kraft und Engagement und beweisen, dass sie das „Feeling“ für die Musik der Sklaven Nordamerikas besitzen. Ganz vom Rhythmus beseelt, dirigiert Michael Hanel das Ensemble mit sehr lebendiger Gestik immer präzise und überaus schwungvoll. Darüber hinaus überzeugt er auch als Solist und nicht zuletzt als charmanter Moderator, der mit Wissen und Witz durch den Abend führt.

Das Publikum was mit Recht enttäuscht, dass nach etwa eineinhalb Stunden schon alles vorbei sein sollte. So bleibt aber auf jeden Fall die Vorfreude auf das nächste Konzert dieses guten Gospelchores aus dem Walsertal. (Stefan Nowicki)

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